Grundschule: Lehrer-Erzieher-Team als Standard?

Lehrer-Erzieher-Teams als fester Standard für die Grundschule!

Eine Bildungsreform für die Grundschule – die Schulgesetzte ändern?!

Ja, ich weiß – je oller je doller – das sagte schon mein Opa! Keine Ahnung, was mich gerade jetzt reitet, das ich versuche, das Bildungssystem in Deutschland zu reformieren und die Schulgesetze zu ändern!  …aber man hat ja sonst nichts zu tun … 😉 !

Lehrer-Erzieher-Teams

Als gelernte Erzieherin hat die Working-Mom nach vielen Jahren in der Kita den Einsatzort ihres Schaffens gewechselt. Seit einem Jahr bin ich als Schulbegleitung an einer Regel-Grundschule hier im Ort tätig. „Mein“ Kind hat emotionale Störungen, große Ängste, ist leicht entwicklungsverzögert, kann sich schwer konzentrieren, ist häufig unkoordiniert in seinen Gefühlen und Bewegungen. …und ein absolut liebenswertes Kind, das mit beiden Beinen im Leben steht und in vollen Zügen seine Kindheit genießt.

Dennoch benötigt er während des gesamten Vormittags meine Unterstützung – ich sitze neben ihm und unterstütze ihn dabei, selbstständig zu werden. Träger und mein Arbeitgeber dieser Schulbegleitung ist die Lebenshilfe. Ich bin also nicht an der Grundschule angestellt – mit der Beendigung bzw. dem Auslaufen der Bewilligung endet meine Anwesenheit im Schulalltag.

Bildungsreform? Warum denn das???

Lehrer-Erzieher-Teams

Weil es dringend notwendig ist!Ich laufe täglich mit offenen Augen durch „meine“ Klasse – durch „meine“ Schule! …und sehe täglich diesen Alltag:

Vorschulen sind schon vor Jahren abgeschafft worden, der Stichtag wiederum wurde immer weiter ausgeweitet. Bei uns liegt er beim 30.9. – das heißt, alle Kinder eines Jahrgangs, die bis zu diesem Tage geboren wurden, werden im Sommer des gleichen Jahres eingeschult. …ganz egal, ob sie am Einschulungstag erst 5 Jahre alt sind und vielleicht lieber (und besser) noch ein Jahr in der Kita gespielt hätten. Denn ein „Zurückstellen“, dem Kind einfach noch ein Jahr Zeit geben um sich zu entwickeln und zu entfalten, so wie man es von Früher kannte, ist nur noch in ganz besonderen, einzelnen und schwerwiegenden Fällen möglich.

Im Rahmen von Inklusion haben alle Eltern das Recht, ihr Kind an der von ihnen gewünschten Schule anzumelden. Der Grundgedanke dazu ist ganz wunderbar – unüberlegt jedoch in dem Fall, wenn die gewählte Schule in keinster Weise auf ein Inklusionskind vorbereitet ist. Da es  nicht für alle „auffälligen“ Kinder direkt eine Bewilligung, Förderung oder eine Begleitung gibt, muss der Klassenlehrer und das Kollegium alles abfangen.

Durch Krieg und Flucht rollt eine große Welle von zu beschulenden Flüchtlingskindern auf die Schulen zu. Die oft traumatisierten Kinder, ohne Kenntnis der deutschen Sprache, werden in eine Klasse gesteckt und sollen am Regelunterricht teilnehmen. Viele von ihnen kennen weder die strengen Regeln deutscher Institutionen, einigen fehlt es an altersentsprechendem Sozialverhalten, da sie bisher weder Schule noch Kindergarten kennenlernen durften. Auch wenn sie an einigen wenigen Stunden Stützunterricht in sogenannten „Internationalen Klassen“ erhalten –  der Großteil der Integrationsarbeit bleibt beim ( Klassen-)Lehrer.

In Zahlen gesprochen

Lehrer-Erzieher-Teams

Um es mal in Zahlen auszudrücken: zum 1. Oktober, dem Tag, am dem endlich alle Erstklässler 6 Jahre alt sind, gab es in „meiner“ Klasse

  • 27 Erstklässler, davon
  • 3 Flüchtlingskinder ohne Deutschkenntnisse – eines davon war vorher noch nie in Schule oder Kindergarten und ist sichtlich entwicklungsverzögert.
  • 1 Kind mit festgestelltem Bedarf und Bewilligung für eine Schulbegleitung
  • 5 Kinder, die bereits perfekt lesen konnten, als sie eingeschult wurden.
  • 3 Kinder, die eine Begleitung stark fördern würde

Doch nicht alle Eltern stellen Anträge ! Nicht alle Anträge werden genehmigt.

„Mein“ Klassenlehrer ist natürlich froh, 2 zusätzliche Augen, Ohren und Hände in der Klasse zu haben. Alleine die Anwesenheit eines zweiten, pädagogisch ausgebildeten Erwachsenen entlastet den Schulalltag (das versichert man mir jedenfalls immer wieder 😉 ) und sorgt damit für ein angenehmeres Lernklima für ALLE – Kinder und Lehrkräfte. Die Eltern wissen diese Anwesenheit ebenfalls zu schätzen – sowohl die Eltern der Förderbedarf-Kinder als auch die der Forderbedarf-Kinder.

Die anderen Klassen gehen leer aus

Lehrer-Erzieher-TeamsLeider ist es nicht nur unsere Klasse, die diese Art von Unterstützung benötigen würde. In jeder Klasse (inzwischen ist diese Grundschule 3-zügig in allen Jahrgängen) sind mindestens 2 oder 3 Kinder, die eine zusätzliche Unterstützung während des gesamten Unterrichts benötigen würden. Ich spreche jetzt nicht von Deutsch- oder Matheförderunterricht einmal in der Woche.

Hilfe das richtige Heft rauszunehmen…. die Hausaufgaben einzutragen….. Regeln einzuhalten…..  die Aufgabestellung noch weiter runterzubrechen und erneut zu erklären….. Nase zu putzen…… Lappen und Besen zu holen, wenn Getränkeflaschen klirrend zu Boden gehen…. Eltern anzurufen, wenn er Kind erkrankt ist ….. es in die Krankenstube begleiten ……..

Doch nur die Klassen, die ein Kind mit ärztlich festgestelltem Bedarf haben, sind in der glücklichen Lage, den Unterricht mit 2 Erwachsenen – einem Team aus Lehrer und Erzieher – zu bewältigen.

Ich will hiermit nicht sagen,  das die Lehrer nicht in der Lage wären – ich finde nur, ihnen alleine zuviel abverlangt und aufgebürdet. Mit Unterstützung einer 2. pädagogisch ausgebildeten Kraft könnten sie sich viel besser um ihre eigentliche, wichtige Aufgabe kümmern: unseren Kindern Bildung zu vermitteln.

Wer Bildung garantieren will muss den Standard an Grundschulen ändern

Lehrer-Erzieher-Teams

Mein Wunsch ist es daher, die Schulgesetze zu refomieren und den Standard dahingehend zu verändern, das an allen staatlichen Grundschulen die Klassen mit einem Lehrer-Erzieher-Team besetzt werden. Ein Lehrer und eine Erzieherin sollten sozusagen die Grundausstattung für jede einzelne Klasse – von 1. – 4. Klasse sein! (von mir aus auch darüber hinaus – aber irgendwo muss  man ja mal anfangen! 😉 ).

Natürlich wäre es ein Traum, irgendwann ein Kompetenzteam aus Ergotherapeuten, Logopäden, etc. an den Schulen fest installiert zu sehen – doch DAS ist noch gaaaaanz ferne Zukunftsmusik 🙂 !

Für interessierte Lehrer, Erzieher und Eltern habe ich eine Gruppe gegründet, die hoffentlich irgendwann mal in einen Austausch von Ideen und Fakten gründet. Erstmal würde ich mir eine große Lobby – besonders auch unter der Elternschaft – wünschen. Je mehr Menschen sich für diese Idee engagieren, umso mehr wahrscheinlicher kann unseren Kindern – trotz aller Umstände – eine gute Bildung zuteil werden.

„Meine“ Grundschule weiß bisher noch nichts von meinen verrückten Plänen – ich dachte, ich hole vorab erstmal ein paar Informationen ein, bevor ich mit unausgegorenen Themen ins Haus falle und man mich für völlig verrückt erklärt 😉 !

Lehrer-Erzieher-Teams

Ich halte dich über diese Aktion auf jeden Fall auf dem Laufenden!

…bleibe weiter drachenmutig – und entspannt!

9 Comments

  1. Liebe Kerstin! Ich finde das total spannend und eine wunderbare Idee. Wie ich sehe ist die Situation in Deutschland noch drastischer als hier in Österreich – wobei einige Probleme ähnlich sind. Bei uns gibt es immerhin das Konzept der Vorschule, das sich üer die ersten drei Schuljahre erstreckt. Der Stichtag ist der 31.8. Meine Zwillinge, die am 15.8. erst 6 geworden sind, mepfinde ich aber auch noch als sehr jung für die Schule.

    Liebe Grüße, Verena

  2. Dieser Post ist so authentisch aus dem Leben, dass ich denken könnte, du beschreibst meine Schule 😜 In allen Punkten kann ich dir Recht geben. Schaue mir gleich mal deine Gruppe an.
    Liebe Grüße,
    Yvonne

  3. Inessa Lach

    Ich bin Erzieherin. Bin völlig Ihrer Meinung! Möchte aber anmerken, dass diese hohen Anforderungen (Flüchtlinge, Inklusion, intensiver Förderbedarf, …) genauso im Kindergarten auf Erzieher/innen stoßen. Und es herrscht in den meisten Bundesländern großflächig Erzieher/innen-Mangel. Das heißt, der Beruf Erzieher/in ist ohnehin schon wenig attraktiv, da schlechte Bezahlung und meistens noch schlechtere Arbeitsbedingungen. Von denen, die trotzdem Erzieher/in geworden sind, arbeiten die meisten in Kita`s, weil das auch meist der angestrebte Arbeitsplatz ist und sie dort an erster Stelle gebraucht werden. Ich will damit eigentlich sagen: Die wundervolle Forderung von Ihnen, die ich ebenso wichtig und richtig finde wie Sie, scheint doch eher zu hochgesteckt zu sein… Wenige Erzieher/innen + viele davon in Kita`s = Wer in Grundschule?
    Nur so meine Überlegung…

    MfG, Inessa Lach

    • Kerstin

      Liebe Inessa, eine sehr gute Überlegung. Ich weiß nur aus eigener Erfahrung, das er a) einen Erzieher-Mangel gibt, es aber b) viele ErzieherInnen gibt, die leider nicht mehr in ihrem Ort, zu ihren Wunschzeiten, in ihrer Wunschkita arbeiten dürfen – TEILZEITBEFRISTUNGSGESETZ. Für diese Kolleginnen -gerade wenn sie selbst Mütter sind und nur Teilzeit arbeiten möchten, würden sich hier ganz neue Alternativen ergeben.
      Angbot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt bestimmen den Preis – vielleicht würde die Bezahlung in der Kita dann auch endlich an die geleistete Arbeit angepasst 😉 ?

  4. Marion Terbrack

    Voll meine Meinung….meine Erfahrunge ….mein Wunsch für die Zukunft der Schule.
    ….und für mich und meinen Beruf eine sehr interessante Möglichkeit, an die ich schon lange denke!

  5. Karin Weiß

    Die Idee ist prima. Ich bin selbst Erzieherin, habe aber schon einmal (vor vielen Jahren) in einer Grundschule gearbeitet. Um den einzelnen Kindern in der Klasse ein wenig gerechter zu werden würde die Umsetzung dieser Idee schon einiges bewirken. Eltern sollten sich dafür stark machen.

    • Kerstin

      Liebe Katrin, vielleicht kannst du ja ein paar Eltern mit dieser Idee „infizieren“ 😉 ? Es braucht eine große Lobby, um etwas zu verändern!

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