Mutige Erzieherin – Kein Stillen im Kindergarten

Heute wurde ich von der Erzieherin angesprochen, ich solle doch bitte nicht mehr im Kindergarten stillen…

 

Das war das erste, was ich heute morgen lesen konnte, als ich – nach einem Tag medienfrei – heute das Internet checkte.

Ein Bericht in einem Elternforum: eine fassungslose Mutter, die sich und ihr etwas über 2jährigem Kind dem eigenen Gefühl nach völlig abgewertet sah. Von der Erzieherin der Kita. Sie war enttäuscht und verärgert und wollte ihrem Ärger Luft machen. Darunter standen 95 Kommentare und ein spontaner Blogpost von vielen ebenso empörten, sich solidarisch zeigenden Müttern.

Von Stillen und Muttermilch als beste Nahrung und Stillen als der natürlichsten Ernährung der Welt war die Rede. Über die empfohlene „Regelstillzeit“ und Stillen bis zur unbegrenzten Zeit wurde diskutiert. Das es eine bodenlose Frechheit von der Erzieherin wäre, so etwas überhaupt zur Sprache zu bringen! Ein Gespräch, gar eine Beschwerde bei der Einrichtungsleitung müsse dringend anberaumt werden.

Einige Kommentare waren weniger schön zu lesen – eine Pro-Toleranz-Still-Fraktion spuckte Gift und Galle beim Thema Stillen! Ganz ehrlich – da bekommt Hexenverbrennung aber mal eine ganz andere Bedeutung!

 

Haaaalloooooo? ….Toleranz? …..wo bist du?

 

Stillen in der Kita

Kann nicht jeder selbst entscheiden was er tut oder nicht tut? Ob das Kind gestillt oder mit Flasche aufgezogen wird? …manchmal hat man als Mutter aus den verschiedensten Gründen keine andere Möglichkeit!

Und was ist mit der Toleranz denjenigen gegenüber, für die Brüste halt nur Brüste sind? Für die sie eben nicht wie eine Milchflasche, ein Butterbrot, eben Nahrung aussehen? Die es nicht so gerne sehen ,wenn Frau mit blankem Busen in der Kita, auf der Parkbank oder wo auch immer sitzt. Ganz egal, ob dieser blanke Busen genau in dem Fall als Nahrungsquelle dient oder einfach mal so zur Schau gestellt wird.

Ja – es gibt sie – Menschen, für die ein Busen ein ästhetisches weibliches Lustobjekt ist – und kein Mittagessen. Die sich vielleicht auch einfach nur unwohl fühlen, weil kein Säugling (der Name sagt alles) gestillt wird, sondern ein Kindergartenkind, das eben noch Erbseneintopf mit Bockwurst verdrückt hat und sich nach der Muttermilch vielleicht noch ein Stück Kuchen vom Teewagen  für den Nachhauseweg holt.

Da wird über Nähe und Wärme diskutiert, die das Kind beim Abholen aus der Kita braucht! Natürlich, keine Frage!!! … aber sind alle Mütter, die beim Abholen nicht die Brüste auspacken darum Rabenmütter?

 

Schon in alten Zeiten wurde der Bote schlechter Nachrichten „zum Lohn“ geköpft

 

Die arme, tapfere Erzieherin! Da soll sie als Bindeglied fungieren. Zum Ausdruck bringen, was die anderen Eltern, Mütter, Väter stört. …und zum Dank gibt es Gemecker und Nackenschläge und man (Frau) wird als personifizierte Intoleranz durch´s Netz gejagt!

Ich ziehe meinen Hut vor soviel mutiger offener Kommunikation.  Denn es war der Kollegin sicherlich klar, das sie mit dem Gespräch ein heikles und sehr persönliches heißes Eisen anfasst. Ganz ehrlich, ich weiß nicht, ob ich mir das zugetraut hätte. Vor allem, da es sich bei der „Beschwerde“ der Eltern gar nicht um eine persönliche Meinung der Erzieherin handelt. Sie war lediglich der Bote.

Eigentlich ist das Gespräch ein Beweis für ein starkes Vertrauensverhältnis, welches zwischen dieser Kita und den Eltern herrscht. Die Eltern, die sich unwohl fühlen, vertrauen auf die Kollegin in der Kita. Die Mutter, die angesprochenen wurde, wurde diskret aufmerksam gemacht – es wurde dadurch umgangen, das man hinter ihrem Rücken über sie spricht.

 

Sei tolerant – oder werde es endlich!!

 

Können wir denn nicht alle ein bisschen toleranter sein? Weniger gleichgültig gegenüber den Bedürfnissen ALLER? Jeder Mensch hat seine eigenen, ganz persönlichen Grenzen. Diese zu respektieren, vielleicht sachlich zu Argumentieren um einen goldenen Mittelweg zu finden sollte unser Ziel sein und als Vorbild für unsere Kinder dienen.

Wenn man schon beim Thema Stillen handfeste Argumente wie scharfe Messer, Mistgabeln und Scheiterhaufen  auspackt – wie soll es dann bei politisch wirklich wichtigen Themen irgendwann friedliche Lösungen geben? Ich würde mich da ein respektvolleres und achtsameres Miteinander wünschen.

 

…bleib weiter drachenmutig – und entspannt!

 

4 Comments

  1. Uat

    Ich finde es eine Anmassung der anderen Eltern, dass die Erzieherin sich zum Lautsprecher von ihnen machen soll, denn das können sie selbst dieser Mutter sagen. Die Erzieherin kann, falls es störend für den Kitabetrieb ist, der Mutter anbieten sich in einen anderen Raum zum Stillen zurück zu ziehen- das wäre auch empathisch dem Säugling gegenüber. Sich zum Moralapostel aufschwingen? Das ist doch nur ein vordergründiges Verhalten weil es sost wahrscheinlich auch nicht stimmig ist. Wo ist die Empörung dieser Eltern wenn unnötig entblöste Frauen Werbung z.B. für Autos machen? Was ist das für ein Kontext Entblössung-Auto? Da regt sich dann sicherlich kaum eine dieser Eltern auf?! Wurde lieber mal dahinter schauen: Was stimmt da nicht in der Beziehung zu dieser stillenden Mutter?

    • Kerstin

      Liebe Uta, du hast da als einzige einen ganz wichtigen Aspekt angesprochen – was ist der eigentliche Grund der anderen Eltern, dieser Mutter abneigend zu begegnen und sie nicht selbst anzusprechen. …und ich finde auch, die Erzieherin „vor den Karren zu spannen“ geht gar nicht.

    • Kerstin

      Liebe Nadine – du meinst sicherlich den Original-Post? Vielleicht liest du ihn dir noch einmal durch…. Ganz objektiv.
      Es ist die (traurige) Wahrheit, das einige Kommentare ziemlich am „guten Ton“ vorbei waren.

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